Der Einfluss von Geschlecht und Geschlechtsidentität auf die Hirnstruktur bei transgender und cisgender Personen

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Zitierfähiger Link (URI): http://hdl.handle.net/10900/174172
http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1741728
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-115497
Dokumentart: Dissertation
Erscheinungsdatum: 2026-01-21
Sprache: Deutsch
Fakultät: 4 Medizinische Fakultät
Fachbereich: Medizin
Gutachter: Derntl, Birgit (Prof. Dr.)
Tag der mündl. Prüfung: 2025-12-17
DDC-Klassifikation: 610 - Medizin, Gesundheit
Schlagworte: Transgender , Geschlechtsidentität , Geschlecht , Geschlechterrolle , Gehirn
Lizenz: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=en
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Inhaltszusammenfassung:

Die Wissenschaft beschäftigt sich schon seit Jahrzehnten mit möglichen Unterschieden zwischen den Geschlechtern. Dabei sollte allerdings nicht nur zwischen dem sex männlich oder weiblich, sondern auch zwischen dem gender Mann oder Frau unterschieden werden. Diese Arbeit fokussierte sich auf die Untersuchung der Hirnarchitektur und der Geschlechtsrollenidentität von trans Frauen, trans Männern, cis Frauen und cis Männern. Es wurden sowohl Parameter der Hirnarchitektur aus MRT-Daten als auch Daten zur Geschlechtsrollenidentität mithilfe der Gender-Related Attributes Survey (GERAS) verglichen. Aufgestellte Hypothesen bezogen sich hierbei auf mögliche Gruppenunterschiede in globalen Hirnvolumina, im Putamen sowie in den Ergebnissen der GERAS. Zuletzt wurde auch untersucht, inwiefern die Hirnstruktur und die Geschlechtsrollenidentität zusammenhängen. Die Daten zur Hirnstruktur zeigten, dass Personen mit männlichem sex insgesamt und in allen drei Gewebetypen größere absolute Volumina aufwiesen als Personen mit weiblichem sex. Durch ein weibliches sex konnten sowohl die geringeren absoluten Hirnvolumina als auch ein höherer Anteil an Grauer Substanz vorhergesagt werden. Unterschiede in globalen Parametern der Hirnstruktur zwischen cis Männern und trans Frauen sowie zwischen cis Frauen und trans Männern waren nicht signifikant. Jedoch zeigten sich bei trans Personen größere Volumina im Putamen als bei cis Personen. Das Putamen wurde bereits vor dieser Studie als wichtige Region für die Geschlechtsidentität gehandelt (Clemens et al., 2021), was sich in dieser Studie somit bestätigte. Deutliche Unterschiede zwischen Gruppen mit verschiedenem gender wurden auch bei der Gender-Related Attributes Survey (GERAS) festgestellt. Cis Männer erzielten höhere Werte auf der maskulin-bezogenen Skala als trans Frauen, während trans Männer niedrigere Werte auf der feminin-bezogenen Skala als alle anderen drei Gruppen aufwiesen. Überraschenderweise wiesen die Gesamtwerte der GERAS von cis Männern und cis Frauen keine signifikanten Unterschiede auf. Somit zeigten sich neben einem starken Einfluss durch das sex auf die Hirnarchitektur auch Hinweise für einen Einfluss durch das gender. Bei globaler Betrachtung der Hirnstruktur war ein Einfluss durch das gender nicht signifikant, jedoch weist das signifikant größere Putamen bei trans Personen darauf hin, dass regionale Unterschiede eine Rolle bei der Entwicklung des genders spielen können. Die Geschlechtsrollenidentität bleibt ein schwierig zu messender Parameter, der mehr wissenschaftliche Aufmerksamkeit verdient. Die zukünftige Beachtung der Variable gender in der Forschung könnte die Wissenschaft in Fragen zur Entstehung und Definition von Geschlecht voranbringen. Noch heute bestehende Zustände aus Diskriminierung und Gewalt gegenüber trans Personen machen deutlich, wie wichtig die Aufklärung über Geschlechtsidentitäten ist.

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