Inhaltszusammenfassung:
Die Verbreitung von SARS-CoV-2 stellt eine Bedrohung für die Gesundheit der gesamten Weltbevölkerung dar. Da lediglich eine symptomatische Therapie möglich ist, kommen Präventionsmaßnahmen und dem Verständnis der immunologischen Kontrolle eine wichtige Rolle zu, um die Bevölkerung und insbesondere Kinder effektiver schützen zu können.
In unserer Studie wurde die humorale und zelluläre Immunantwort in 68 Haushalten nach SARS-CoV-2-Infektion eines Haushaltmitglieds anhand von Blutproben aus dem Sommer 2020 etwa 3-4 Monate nach Infektion untersucht. Aus den Blutproben wurde Serum und PBMC gewonnen. Im Serum wurde mit Hilfe eines Multiplex-Immunoassay die Antikörper-Antwort auf SARS-CoV-2 und HCoVs bestimmt. Die PBMC wurden zur Untersuchung der SARS-CoV-2-spezifischen und SARS-CoV-2- und HCoV-kreuzreaktiven T-zellulären Immunantwort genutzt. Dafür wurden die PBMC durch in-vitro Peptidstimulation präsensitiviert und die T-Zell-Antwort im IFNγ-ELISpot gemessen.
Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass Kinder und Jugendliche innerhalb eines Haushalts mit nachweislichem Indexfall deutlich seltener T-Zellen und Antikörper gegenüber SARS-CoV-2 gebildet haben als Erwachsene (Dulovic et al. 2025). Dies könnte darauf hindeuten, dass Kinder und Jugendliche einen gewissen Schutz vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 aufweisen oder dass eine Infektion im Kindes- und Jugendalter weniger Zellreihen des adaptiven Immunsystems involviert oder diese Zellreihen über einen kürzeren Zeitraum nachweisbar sind als bei Erwachsenen.
Mehr als die Hälfte der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, die keine SARS-CoV-2-spezifische Immunantwort zeigten, bildeten eine HCoV- und SARS-CoV-2 kreuzreaktive T-zelluläre Immunantwort aus, die potenziell eine Protektion vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 vermittelt. Kinder, Jugendliche und Erwachsene zeigten gleiche Erkennungsraten von HCoV- und SARS-CoV-2-kreuzreaktiven Peptiden (Dulovic et al. 2025).
Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, aber auch bei Erwachsenen, die eine SARS CoV 2-spezifische T-zelluläre Immunantwort bildeten, fand nicht immer eine persistierende Serokonversion statt (Dulovic et al. 2025). Dies könnte entweder auf das Ausbleiben einer Serokonversion oder auf deren Kurzlebigkeit zurückzuführen sein. Der serologische Nachweis von SARS-CoV-2-spezifischen Antikörpern bildet folglich nicht repräsentativ die Gesamtheit der SARS-CoV-2-Infizierten ab. Der Nachweis von SARS-CoV-2-spezifischen Antikörpern allein ist daher ungeeignet für die Bewertung einer vorangegangenen Infektion und Rekonvaleszenz. Der Schutz durch spezifische T-Zellen bei fehlenden Antikörpern vor einer Re-Infektion mit neuen Virusvarianten oder einem schweren Krankheitsverlauf ist derzeit nicht fundiert zu bewerten. Weitere Forschung ist erforderlich, um die Komplexität des kindlichen Immunsystems und die Übertragungsdynamik in verschiedenen Altersgruppen zu verstehen und mögliche Einflussfaktoren zu ermitteln.