Inhaltszusammenfassung:
In herrschaftlich organisierten Gesellschaften stellt das Konzept des Verbrechens eine elementare moralische Legitimation der sozialen Ausschließung von Gesellschaftsmitgliedern dar; die Strafe ist das Herrschaftsinstrumentarium, das die Ausschließung organisiert. Der Beitrag untersucht im Kontrast dazu (historische und zeitgenössische) Ausschließungsformen herrschaftsfreier Gesellschaften. Anhand ihrer Symbolsysteme und Ausschlußpraxen wird gezeigt, daß bei der sozialen Ausschließung die Abwehr von Herrschaft im Vordergrund steht. Diese Abwehrprozesse haben zwei Richtungen: Nach innen zielen sie auf den Erhalt der sozialen (Ein-)Bindungen von Macht, nach außen zielen sie als Abwehr kolonialer Fremdherrschaft auf den Erhalt kultureller Eigenständigkeit.