Inhaltszusammenfassung:
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit immunologischen Reaktionen im
Verlauf einer Schwangerschaft bei bestehender Autoimmunerkrankung. Das
Immunsystem der schwangeren Patientinnen durchläuft eine besondere
Entwicklung, da gegenüber dem semiallogenen Fetus Toleranz induziert wird.
Diese Veränderungen im Immunsystem wirken auf den Pathomechanismus der
Erkrankung und führt bei manchen Autoimmunerkrankungen zu einer Häufung
von Krankheitsschüben oder einer Linderung der Krankheitssymptome. In der
Vergangenheit wurde postuliert, dass die Verschiebung des Th1/Th2-
Verhältnisses in Richtung der Th2-Zellen während der Schwangerschaft dies
erklären könnte. In den vorliegenden Untersuchungen konnte gezeigt werden,
dass es gerade bei Patientinnen mit Krankheitsaktivität oft im dritten Trimenon zu
einer generellen Aktivierung des Immunsystems kommt. Dennoch kommt es zur
Krankheitsschüben und damit eventuell verbundenen
Schwangerschaftskomplikationen zu jedem Zeitpunkt in der Schwangerschaft.
Außerdem wurde beobachtet, dass proinflammatorische Th1-Zellen auch
gleichermaßen häufig bei Patientinnen ohne Krankheitsaktivität vorkommen, was
unterstreicht, dass die Schwangerschaft ein komplexes Geschehen ist, in dem
pro- und antiinflammatorische Zustände sich gegenseitig beeinflussen. Die Rolle
von Estradiol in diesem Zusammenspiel ist markant, da ein erniedrigter EstradiolWert im dritten Trimenon mit einer erhöhten Krankheitsaktivität zusammenhängt.
Unsere Daten zeigen, dass es mehr experimenteller und klinischer Forschung
bedarf, um das Immunsystem in dieser besonderen Situation besser zu
verstehen und die Patientinnen in einer Risikoschwangerschaft besser begleiten
zu können.