Der Einfluss von Steroidhormonen und genderassoziierten Eigenschaften auf moralische Entscheidungen

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Zitierfähiger Link (URI): http://hdl.handle.net/10900/183801
http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1838012
Dokumentart: Dissertation
Erscheinungsdatum: 2026-09-25
Sprache: Deutsch
Fakultät: 4 Medizinische Fakultät
Fachbereich: Medizin
Gutachter: Derntl, Birgit (Prof. Dr.)
Tag der mündl. Prüfung: 2026-08-05
DDC-Klassifikation: 150 - Psychologie
610 - Medizin, Gesundheit
Schlagworte: Testosteron , Dilemma , Moral , Hormon
Lizenz: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=en
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Inhaltszusammenfassung:

Das Ziel dieser Arbeit war es potenzielle Geschlechter- bzw. Genderunterschiede in Bezug auf moralische Entscheidungen näher zu beleuchten. Moralische Entscheidungen kann man hierbei, insbesondere beim Lösen von moralischen Dilemmas, in zwei Ethiken kategorisieren: Deontologie (die Orientierung an geltenden Normen) und Utilitarismus (das Aufrechnen der Kosten und Nutzen). In der Literatur stellten sich immer wieder Unterschiede zwischen Männern und Frauen dar, wenn auch mit sehr heterogenen Ergebnissen. Häufig zeigte sich, dass Frauen deontologischer entscheiden als Männer. Allerdings blieb unklar, aus welchem Grund sich diese Differenzen ergeben, insbesondere inwiefern biologisches und soziales Geschlecht eine Rolle spielen. Wir untersuchten hierzu in unserer Studie genderassoziierte Aspekte. Basierend auf vorausgehenden Studien war unsere Hypothese, dass es so etwas wie ein Genderrollenbild bezogen auf moralische Entscheidungen geben könnte, und sich daher ein Zusammenhang zwischen genderassoziierten Eigenschaften und moralischen Entscheidungen ergeben wird. Auf der biologischen Ebene untersuchten wir den Zusammenhang zwischen Testosteron und moralischen Entscheidungen. In der Vorliteratur konnte sich teils eine Verbindung zwischen höherem Testosteron und einer stärkeren Neigung zum Utilitarismus darstellen. Zuletzt analysierten wir, ob Cortisol im Sinne der Dual-Hormon-Hypothese einen Einfluss auf moralische Entscheidungen haben könnte. Insgesamt wurden 130 Versuchspersonen (63 Männer und 67 Frauen) in die Studie eingeschlossen. Wir nutzten die circadiane Rhythmik der Hormone (morgens hohe, abends niedrige Testosteron- und Cortisolwerte) und unterteilten das Kollektiv in eine frühe und eine späte Gruppe. Zur Erhebung des moralischen Entscheidungsverhaltens verwendeten wir das CNI-Modell der moralischen Entscheidungsfindung nach Gawronski et al. 2017 und Körner et al. 2020. Die genderbezogenen Eigenschaften wurden mittels Fragebogen erhoben. Testosteron und Cortisol wurde mit venösen Blutproben bestimmt. Es zeigten sich in unserer Studie keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen bezogen auf ihre Dilemmaentscheidungen. Der Zusammenhang zwischen genderassoziierten Eigenschaften und moralischen Entscheidungen ließ sich in zwei Subskalen des GERAS darstellen. Höhere Werte in der Subskala feminine Interessen und Aktivitäten wirkten sich negativ auf den C-Parameter (Utilitarismus) des CNI-Modells aus. Höhere Werte in der Subskala maskuline Kognition zeigten dagegen einen positiven Zusammenhang mit dem C-Parameter. Mit der Gesamtheit der Werte aller Subskalen des GERAS konnte keine Assoziation zu den CNI-Parametern dargestellt werden. Bei der Untersuchung des Einflusses von Testosteron auf die Moralparameter zeigte sich zunächst ein signifikanter Gruppenunterschied: morgens ergaben sich höhere N-Werte als am Abend. In der weiteren Regressionsanalyse konnte sich ein Zusammenhang mit Testosteron allerdings nicht bestätigen. Zuletzt wurde die übergeordnete Moderation von Cortisol überprüft und konnte nicht bestätigt werden. Allerdings zeigten sich signifikante Unterschiede in der Wirkung der DHH in Abhängigkeit von der Tageszeit. Die Ergebnisse unserer Studie scheinen widerzuspiegeln, dass Geschlechter- bzw. Genderunterschiede bei moralischen Entscheidungen, sowie deren potenzielle Ursachen weniger eindeutig sind als bisher angenommen. In weiteren Studien sollte daher dieses komplexe Gefüge mit bedacht werden, insbesondere durch möglichst heterogen Studienkollektive und eine Erhebung, die den Einfluss von sozialen und kulturellen Faktoren zulässt.

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